EINMAL IST MIT ALLEM SCHLUSS

 

Heute sind es frohe Klänge, Die mich begleiten durch den Tag,

 Vielleicht morgen Grabgesänge, Die man singt an meinem Grab.

Heute sind es schöne Blumen,

Die ich pflück' am Wiesenrain,

In Kürze schreibt man Todesrunen

Mir vielleicht auf einen Stein. Heute sitz' ich in der Runde,

Noch erfüllt von Fröhlichkeit -Vielleicht ist es die Abschiedsstunde

Von dieser Welt zur Ewigkeit.

Wenn dann auch die Lieben trauern,

Der Tod spricht ihren Tränen Hohn -

Die Welt muß vor dem Tod erschauern,

Er gibt niemandem Pardon. Dann hilft kein Weinen und kein Klagen,

Umsonst ist's, wenn man mich beweint, Wenn mir die letzte Stund' geschlagen,

 Wenn mir die Sonne nicht mehr scheint.

Drum laßt uns an den Blumen weiden,

Trunken von des Lenzes Kuß -

Das Ende läßt sich nicht vermeiden,

Einmal ist mit allem Schluß.

Ans liebe Christkind denkt man wohl,

Vielleicht auch an arme Leute,

Doch was man wirklich machen soll -

Wen kümmert das schon heute? Ja, der Reichtum dieser Welt Läßt Wenige gut leben,

Während Vielen Vieles fehlt Vergessen die Wenigen zu geben.

Um das moderne Heidentum

Schön christlich zu verstecken

Braucht man es nur rundherum

Mit Weihnachten verdecken.

Einst ging man noch als frommer Christ

t Auch in die „Heilige Mette",

: Die Frömmigkeit wird heut' vermißt, Oh, wenn man sie noch hätte!

Versuchen wir den Zweck, den Sinn

Vom Weihnachtsfest zu deuten,

Suchen wir das Gute drinn,

Wenn die Weihnachtsglocken läuten.

Wie die Kinder sollten wir uns freu'n,

So sollen wir wieder werden, Gott in der Höhe soll die Ehre sein -

Und Friede den Menschen auf Erden!

 

WEIHNACHTEN HEUTE

 

Eine frohe, gesegnete Weihnachtszeit Wünsche ich euch allen!

Weihnachten im weißen Kleid Würde uns wohl gefallen.

Alle singen „Stille Nacht"

Und warten auf Geschenke,

Am Weihnachtsmarkt wird Krach gemacht -

Man frißt und saufet in der Schenke.

 

LEBENSBILANZ

 

Oft beginne ich zu sinnen: Ist Lebenszeit nicht Fröhlichkeit?

Und die Jahre, sie verrinnen -Was übrigbleibt, ist Einsamkeit;

Aus dem Leid auch Lust gewinnen

War' der Sinn der Lebenszeit.

Erkenne, Mensch, auf dieser Erde Doch mit Deiner Geisteskraft,

 Daß das Gesetz von „Stirb und Werde" Leiden und auch Freuden schafft,

Das Altern ist des Leibes Erbe, Drum Seele bleibe jugendhaft.

Rechne mit des Schicksals Härte,

Frag' dein Gewissen mit Bedacht

Und prüfe, welches deiner Werke

Dir Himmel oder Hölle macht;

Manchem hat des Glaubens Stärke

Frieden, Ruh' und Glück gebracht.

Ich glaubte immer an das Leben, Suchte stets ein Ideal, Nahm alles hin, von Gott gegeben -

Doch bald empfand ich dies als Qual, Dachte oft auf meinen Wegen:

„War dieser Gang das letzte Mal!"

Der Glaube an die große Liebe

Steht da im leeren Raum -

Das wichtigste im Weltgetriebe -

Für mich ein böser Traum;

Das alles nenn' ich Schicksalshiebe

An meinem Lebensbaum.

Ja, wozu bin ich geboren, Den Vater hab ich nicht gekannt,

Die Mutterlieb' war auch verloren, Wofür brauch' ich ein Vaterland?

Vom Glück ward ich nicht auserkoren, Zum Unglück wurde ich verdammt!

Zähle ich die Zahl von Jahren,

Die ich auf dieser Welt gelebt

Und die mir als Los beschieden waren,

Die mir als Hoffnung vorgeschwebt,

So mußte ich bis jetzt erfahren,

Daß ich vergebens die Geburt erlebt!

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