WITZIGE BLITZE

 

Wenn ich so beim Weine sitze Und ihn gegen Durst benütze,

Komm' ich in Stimmung und in Hitze, Dann mach' und hör' ich gerne Witze.

Es sind der Weisheit eine Stütze Oft sogenannte „dumme Witze"

Als wär'n es Goethes Geistesblitze.

 

DIE RUINE

 

Es steh'n auf Bergeshöhe

Mauern stolz und kühn,

Von Sagen reich umwoben

Im Abendrot sie glüh'n.

Die hohen Zinnen zeugen Von einstiger Herrlichkeit,

Verrauscht sind diese Zeiten Ins Meer der Vergangenheit.

Der Burghof, der liegt öde,

Das Unkraut wuchert dort

Und Raben, gleich Kobolden,

Bewohnen diesen Ort.

Kein Torwart hinterm Gitter Jetzt um die Losung fragt,

Kein Sträfling in dem Turme Um seine Freiheit klagt.

Kein Held im Eisenpanzer

Und schützendem Visier

Bricht jemals eine Lanze

Im Burghof beim Turnier.

Nichts klingt aus Kemenaten, Wo einst das Lied erklang,

Verklungen sind die Saiten, Verstummt ist der Gesang.

Die Ruine könnt' erzählen

Uns manche Mär und Kund'

Und die Gedanken wandern

Zurück in müßiger Stund'.

Von manchen großen Taten Zeugt der Geschichte Buch,

Der Volksmund wahrt die Kunde Von Spuk und Geisterbesuch.

Vom Fluch der Untertanen

Gegen Burg und ihren Herrn,

Von Fehde und von Feme

Aus Zeiten alt und fern.

Noch sieht man hier die Trümmer -Ein Stück Vergangenheit -

Denn Werden und Vergehen Ist der Wandel der Zeit.

Wie oft die Abendsonne

Die Trümmer noch verklärt?

Bis einst die letzte Mauer

Der Zahn der Zeit zerstört!

 

WINTERENDE

 

Ich war die ganze Winterzeit Zum Schaufeln stets bereit -

Doch Schnee war keiner da. Primeln blüh'n jetzt schon genug,

Die Bienen proben schon den Flug -

Und Ostern ist schon nah.

Bald kommt übers Mittelmeer Storch und Schwalbe wieder her -

Zurück zum alten Nest. Es schwillt die Knospe, grünt das Korn,

Es mehret sich des Lebens Born -

Und Gott erfüllt den Rest. Es gab im Winter kaum ein Eis,

Vielleicht sind dann die Ostern weiß -

Ob die Bauernregel lügt? Gefahr droht auch noch Mitte Mai Von Eismännern -

gleich ihrer drei -

Wenn nicht alles trügt. Das Wetter narrt den Menschen oft,

 Es ist häufig anders als man hofft -

Kein Zorn hilft, kein Gebet. Braucht man's trocken, dann ist's naß,

Verkehrt macht's auch nicht immer Spaß

Und die Geduld vergeht. Man kann sich wünschen, was man will,

 Die Natur, sie hält nicht still -

Hält an ihren Regeln fest. Es wird das Wetter auf der Welt,

Und wenn es uns auch nicht gefällt,

Wie Gott es werden läßt.

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