JÄGERLATEINISCHE LEGENDE

 

Es ging ein Jäger einst auf die Pirsch

Zu jagen Hasen, Reh und Hirsch,

Er tut so manche Stunde harren,

Ein schlauer Hirsch hielt ihn zum Narren. Die Geschichte wurde mir bekannt,

Weil's im „Weidmanns Heil" geschrieben stand,

Und dorten konnte ich sie lesen, Darum ist sie wahr gewesen.

Und wer jagdlateinisch lesen kann,

Fängt dran nicht zu zweifeln an.

Den Jäger, der vor Jagdlust schon gezittert,

Hatte ein Hirsch schon längst gewittert.

Der Hirsch, er graste im grünen Klee,

Der Jäger riß die Büchse in die Höh' -

Der Hirsch, der wollte den Jäger necken,

Könnt' den Kopf schnell hinterm Baum verstecken.

Und zeigte, was er hinten hat -

Vielleicht kannte er das Götz-Zitat -

Des Hirsches Kopf wollte der Jäger seh'n.

So konnte das ja nicht weitergeh'n.

Der Baum versteckte des Jägers Ziel, Was dem Hirsch gar wohl gefiel,

Doch der Jäger - er fing an zu lachen -: Ich werd' dir gleich ein Ende machen!

Ich werde den Gewehrlauf biegen,

Dann wird die Kugel eine Kurve fliegen,

Das wird des Hirsches Ende sein

Und die Trophäe ist dann mein.

Kaum ist die Kugel abgeschossen Hat der Jäger den Triumph genossen -

Die Kugel, sie flog um den Baum -Aus war des Hirsches Lebenstraum.

Die Kugel, sie zog ihre Kreise

Nicht nach des Naturgesetzes Weise -

Zum Gewehrlauf kehrte sie zurück,

Der Jäger hatte großes Glück!

Ssst - - Ssst - -, die Kugel, sie pfiff schnell daher,

Der Jäger wendet sein Gewehr

Und er mußte blitzschnell denken,

Die Kugel wieder in den Lauf zu lenken. Sie ist dorthin zurückgekommen,

Von wo den Ausgang sie genommen -Hätt' sie des Laufes Loch verfehlt,

Vielleicht hätt' sie des Jägers Kopf gewählt.

Wie es das Schicksal haben wollte,

Aus dem Dickicht sich ein Hase trollte -

Der Jäger hat blitzschnell gedacht

Und wieder hat die Buchs' gekracht, Der Hase mußt' sein Leben lassen,

Sowas ist doch kaum zu fassen: Mit der gleichen Kugel in Blitzesschnelle

Gab's gleich zwei Tote auf der Stelle.

Ein toter Hase, ein toter Hirsch

War das Ergebnis dieser Pirsch -

Das Jägerlatein ist nun zu Ende,

Weidmanns Heil sagt die Legende. Der Jäger, er war wohlbekannt,

 Sein Name sei hier nicht genannt, Er ruht nun schon in kühler Erde -Geb' Gott, daß ihm Weidmanns Friede werde!

 

DIE MACHT DES ABERGLAUBENS

 

Schlecht ist, wenn die Silbe „Aber"

Zum Glauben sich gesellt;

Der Glaube, der ist wichtig

Für die Menschheit dieser Welt.

Erst wenn sie „astrologisch"

Und nicht mehr „logisch" denkt,

Kann sein, daß man den Glauben

In falsche Bahnen lenkt. Man liest dann in den Sternen Wie die Zukunft weitergeht

Und glaubt an Horoskope, Nicht, was in der Bibel steht.

Man glaubt dann auch an Geister Drunt und in der Höh',

Auch an den Schornsteinfeger Und an den vierblättrigen Klee.

Der Fliegenpilz, wenn auch giftig,

Ist ein schönes Glückssymbol.

Auch Hufeisen und Schweinderl -

Ein Sparschweinderl, ganz voll;

Man glaubt an die schwarze Katze Und an manch „böse Zahl",

Das Gute - das Böse erkennen Ist eine Gedankenqual.

Der Mensch hat selbst erfunden

Die Zahlen vor langer Zeit

Und glaubt, daß sie jetzt wirken

Auf sein Glück und auf sein Leid.

Das glaubt man auch von Farben, Von Schwarz über Blau bis Rot;

Es war' wohl für die Augen Ohne Farben alles tot.

Ob Sieben oder Dreizehn,

Ob die Eins oder die Neun,

Von Sekunden bis zu Jahren

Muß auch eine Dreizehn sein. Es ist im Aberglauben Wohl auch verschiedenes wahr,

Doch ist das Allermeiste Nur unserer Vernunft nicht klar.

Man will mit Aberglauben

Bezwingen sein Geschick,

Vielleicht bringen Lottozahlen

Das sehr erhoffte Glück.

Man sucht im Aberglauben Wohl stets des Glaubens Kern,

Zur Gänze ihn zu finden, Das bleibt uns ewig fern!

 

LEBENS-AUS-DAUER

 

Das, was dich nicht umbringt, gibt dir Kraft Und dein Dasein ist noch nicht verloren;

Wenn du schon frierst und fühlst noch warm, Bist du noch lange nicht erfroren.

Hast du noch Brot und keinen Appetit, Bist du aus Hunger nicht gestorben;

 Bist du verzweifelt und suchst Trost, Ist dein Lebensmut noch nicht verdorben.

Doch in den Fluten der Ewigkeit Versinkst du am Ende deiner Jahre;

Wenn dir kein Trost mehr hilft und keine Kraft, Wenn du in Frieden liegst einst auf der Bahre.

 

ICH BIN EIN TEIL DER EWIGKEIT

 

Ich war - ich bin - und werde immer sein,

Denn ich bin ein Teil der Ewigkeit;

Und geh' ich einst ins Unbekannte ein -

Mein Leichentuch sei die Vergangenheit,

Friedhoferde sei mein Sterbekleid!

Mit Namen konnte ich das Dasein schau'n,

Das man Erdenleben nennt -

Namenlos als Teil von Zeit und Raum

Man weder Glück noch Unglück kennt.

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