A DREUMOL VAHEURATI JUNGFRAU

 

A SOjährigi Frau hot mia amol iahn Schmeaz dazöhlt,

Deas heut nou olsa olta quölt:

Obwuhl sie dreumol äs vaheurat gwein

Häts muisn iahn Leibto laung a Jungfrau bleubn;

Olli dreu Mäinna san scha längst vastoabn,

Sie steht hiaz do, ganz alloan und oam.

Da easchte Mao, a Architekt, dea hat na imma plant,

Sogoa an Beitt drin hat's n nua van Planan tramt,

Ea hat wühl seah vül scheini Häusa baut,

Oba za mia ols Jungfrau hat a sie nät zuwitraut.

Da zwoati Mao, deis woa a Musikant,

Ea woa mit seuna Hamanie iwarol bekannt,

Weul a sou wundaschei(n) hat musiziert,

Aba va seu Spülarei hat meu Jungfrauschoft nix gschpiat!

Da dritte Mao, deis woa a Maurergsöll,

Ba da Oabat woara wühl recht gfix und schnöll,

Aba Obnds do woara meistns scha recht miad,

Drum hat si af d' Nocht ba iahm an nix meah griaht,

Nua an d' Häind gschpuckt hat a and gsogt: „Liabi Frau -

Wiast gsegn, moagn af d' Nocht, do geihn mas richti ao!"

Sou hat a gsogt a poa Joah - To fia To,

Aba af d' Nocht woa imma a miada Maura do.

Da dritte Mao äs dann a ganz plötzli gschtoabn

And i ban zan drittn Mol a Witfrau woa[d)n;

Koa Mao wüll si mit mia mea die Zeut vatreubn,

Drum muis i leuda af ewi a Jungfrau bleubn!

 

SINNSPRUCH

 

Kürzer wird der Zukunft Hoffnungszeit, Länger der Schatten der Vergangenheit,

Die Gegenwart ist nur ein Nu. Ein Wechsel zwischen Freud' und Leid,

Das ist des Lebens Wirklichkeit -Das Ende heißt dann „ewige Ruh'".

 

NEBELPHANTASIEN

 

Seht ihr den Nebel schleichen durch die Wälder, durch das Tal,

 doch scheint's als wollte er entweichen bei dem ersten Sonnenstrahl.

Zu mächtig sind die Nebelschwaden
Und der Sonne Strahlenspur -
Der mächtigste der Sonnenstrahlen
Versinkt im Atem der Natur.
schwerer sinkt der Nebel nieder,
Endlos scheint er sich zu zieh'n
und er wecket in mir Bilder
Toller Märchenphantasien.

Es umgaukeln mich Gestalten Wie aus „Tausendeiner Nacht",

Als wären aus des Nebels Schatten Alte Märchen jäh erwacht, Die „Wilde Jagd" -

ich hör' sie brausen In der „Wilden, Rauhen Nacht", Seh Hexen durch die Lüfte sausen,

Auch Dornröschen jäh erwacht. Ali Baba und die Räuber Seh ich kommen durch den Wald,

Hör sie vor einem Tore rufen, „Sesam öffne dich!" erschallt, 

Die Märchenzeiten, die entschwund'nen, Däucht mir, schließt der Nebel ein,

Wie durch Zauberbann gebunden, Als wär'n Feen und Geister dort daheim.

 Ja der Nebel, er bezaubert Mich mit Märchenphantasien,

Doch wenn die Sonne ihn durchschauet, Muß der ganze Spuk entflieh'n.

Es läßt durch diese Nebelbilder Sich kein Zukunftslicht erspäh'n, 

Drum, liebe Sonne, komm' bald wieder, Den Strahl des Lichtes will ich seh'n!

 

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