DER TAG ERWACHT

 

Noch herrschet der Schlummer Über Freude und Kummer -

Es träumt und ruhet die Welt.

Doch langsam bemalen

Die leuchtenden Strahlen

Der Sonne das himmlische Zelt. Die Hirsche durchdringen

Das Dickicht und springen Hinüber zum labenden Quell.

Schon drängen die Bauern

Aus beengenden Mauern

Zur Arbeit, denn schon ist es hell.

Wenn die Gräser so schimmern, Glitzern und flimmern,

Benetzet vom nächtlichen Tau,

Dann trillern und singen

Die Vögel und schwingen

Hinauf sich ins himmlische Blau.

Es strömen aus Quellen Die murmelnden Wellen Des Baches - oh welch ein Genuß.

Es öffnen zum Blühen

Sich Blumen und glühen

In prächtigen Farben zum Gruß.

Und wenn sich der Atem Von grünenden Saaten

Als Wolke zum Himmel sich hebt,

Dann fühle ich nahen

Den niemals wir sahen -

Den Herrn, der die Schöpfung bewegt.

Der Tag - er erwachet, Die Sonne - sie lachet Uns wieder im täglichen Lauf.

Mit dankbarem Blicke

Und kindlichem Glücke

Heb' ich das Antlitz zum Schöpfer hinauf.

 

ZU MEINEM 75. GEBURTSTAG

 

Wisnn man mir sagt: „Du bist schon 75

Und kaum noch graue Haar'!",

Dnnn freu' ich mich und denke:

Oh, wie wunderbar!

Sagt man mir: „Du zählst Drei Viertel vom Jahrhundert",

Dann schau ich ernst, verdutzt Und ganz verwundert.

Es hat auch das Alter

Mindestens zwei Seiten -

Betracht ich's von der Nähe,

Oder- leichthin nur von Weitem.

Als ich jung war schien das Alter Mir nur als ferner Traum -

Doch jetzt weiß ich, es ist ein Teil Von meinem Lebensbaum.

 

SOLDATENSCHICKSAL

 

Dein Leben, jung, voll Zuversicht,

Voll Hoffnung auf das Glück,

Zerbrach im Krieg, der Heimat fern -

Du kamst nicht mehr zurück.

Dein Schicksal hast du nicht geahnt Als du einst Abschied nahmst,

 Groß war der Schmerz, als ich gewußt, Daß du nicht wiederkamst.

Es nützet auch das Weinen nicht,

Wenn Gott das Liebste nimmt;

Vom Schicksal so bestimmt.

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