LEBENSKAMPFPAROLE

 

Kameradschaft laßt uns immer pflegen, Kameraden waren wir in größter Not,

Viele gaben einst im Krieg dafür ihr Leben -Sie sei auch im Frieden unser höchst' Gebot.

Es gibt in unser'm Erdenleben

Glück, Verdruß und Not,

Das Losungswort heißt kämpfen, streben,

Wer nicht mehr kämpft, ist tot.

 

DES MENSCHEN LEBENSREISE

 

Mein Lebenslauf, der fing so an, Daß ich durch Geburt zur Erde kam; Zuerst war ich ein frohes Kind,

Wie's meistens alle Kinder sind.

Die Jugendzeit ich auch genoß,

So wurde ich schön langsam groß;

Dann kam die Zeit der „Lieb' auf den ersten Blick"

Und der Glaube an das „große Glück". Ein bißchen Freud', ein bißchen Leid Waren auch für mich bereit;

Wenig Freizeit und viel Pflicht War bald des Lebens Hauptgewicht;

Arbeit, die ist Geldeswert,

Mit Geld schafft man sich Haus und Herd;

Besorgt man sich ein Eheweib,

Sie lebt nicht bloß vom Zeitvertreib; Familie braucht Kleider,

Brot, Fehlt das Geld, dann gibt es Not; Nur durch Tüchtigkeit und Fleiß Bezahlt man seines Lebens Preis.

Der langen Rede kurzer Sinn:

Die beste Zeit ist schnell dahin,

Das Heut' ist morgen Vergangenheit,

Die Zukunft, die ist schon bereit;

 

Denn es bleibt nicht wie es bisher war, Das kennt man bald am grauen Haar,

Entschwunden ist dann längst der Lenz -Schon langsam schwindet die Potenz.

Auch der Liebeszeitvertreib Fehlt bald zwischen Mann und Weib,

 Aus wird's mit der Körperkraft, Die bisher hat soviel geschafft.

Es gibt nicht mehr viel, was Freude macht Und worüber man einst hat gelacht,

Immer schwächer schlägt das Herz, Jeden Tag ein anderer Schmerz.

Schlecht steht's mit der Schlafenszeit, Manchmal quält die Traurigkeit,

Bekämpft man sie mit Alkohol Und trinkt zuviel aufs eigene Wohl,

 Vetreibt man damit die Langeweil', Doch schadet das leicht dem Seelenheil -

wird kein Nutzen draus treibt den Teufel mit dem Teufel aus.

Kommt dereinst Gevatter Tod, Ist's vorbei mit Streß und Not,

Den Leib deckt man mit Erde zu Und wünscht ihm eine „ewige Ruh'".

Es kräht nach mir bald mehr kein Hahn,

Wenn ich weg bin von des Lebens Bahn -

Der Geist reist in die Ewigkeit,

Das ist eine weite, lange Zeit.

Die Seel' zieht in den Himmel ein, Es kann auch die Hölle sein,

Darüber urteilt ein Gericht, Das über die Seel' das Urteil spricht -

„Jüngstes Gericht" wird es genannt,

Und somit schließet sich der Kreis

Von mir und meiner Lebensreis'.

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