LIEBER GOTT!

 

Setz' der Armut und dem Reichtum Gerechte Grenzen auf Erden

Und lasse die anderen Grenzen Doch überflüssig werden!

Nimm den Ehefrauen das „letzte Wort" -

Außer es tönt im Echo fort;

Tu den Männern das Gedächtnis stärken,

Daß sie ihre ersten Worte „Ich liebe dich"

doch viel länger merken! Lasse die Politiker in ihrer Sprache

Die Wahrheit besser üben Und des Volkes Verständnis Nicht durch Irrtum trüben.

Gib, daß Schreiber und Beamte

Sehr wohl tätig bleiben

Und für Wohltat sich die Zeit vertreiben,

Daß wir alle recht schaffen in der Arbeitszeit

Zum Zwecke der Rechtschaffenheit.

Gib, daß alle braven Österreicher Auch werden gute Himmelreicher,

Doch laß sie auf der Erde hienieden Noch lange leben in Glück und Frieden. - Amen.

 

FRÜHLINGSEINZUG

 

Es nützt dem Winter doch keine Gewalt,

Bald blühen die Blumen - der Frühling kommt bald,

Es vergehet die Kälte, zergehet das Eis,

Schon geh'n Störche und Schwalben zu uns auf die Reis'.

Blühende Bäume, das wird eine Pracht, Es braucht nicht mehr lange,

 bis alles erwacht, Saftiges Grün ziert dann den Wald und die Flur, So zeugt neues Leben die Mutter Natur.

Dann singen die Vögel ihr schönstes Lied

Und werden des Singens vor Freude nicht müd',

Der launige April - auch er geht vorbei -,

Wir warten auf dich, oh lieblicher Mai!

 

NICHTS BEDÜRFEN IST GÖTTLICH

 

Glucklich ist, Wer nicht vergißt,

Daß er wunschlos Gott am nächsten ist.

 Ich selbst wünsch' mir Zufriedenheit,

Dann bin auch ich von Gott nicht weit,

Hoffnung ist schon wunschbereit,

 Doch nicht verwandt mit Zufriedenheit.

 

WAHLKAMPFSTORY

 

Um ihre Seriosität nicht zu ruinieren

ünll man die Politiker nicht unnütz kritisieren.

Oft machen sie sich selbst mit leeren Worten schuldig,

Doch die Demokratie ist tolerant und sehr geduldig.

Mancher von ihnen hat vor der Wahl schon soviel gelogen,

Daß sich krumme Balken noch viel besser bogen.

Neugierige können dies in diesen Versen lesen,

Wie's in einem Dorf einst ist vor der Wahl gewesen.

Wenn ich die schönen Wahlversprechen so vergleiche,

Denk ich an Eulenspiegelei und Schildbürgerstreiche.

Ein Politiker sagte: „Zu meiner Partei müßt ihr stimmen,

Dann werden wir gleich nach der Wahl ein Projekt beginnen:

Wir werden euch eine schöne, große Brücke machen".

Herr Kandidat - eine Brücke ohne Bach? Das ist zum Lachen!"

„Nach der nächsten Wahl werden wir auch einen Bach besorgen,

Dünn beides auf einmal ist zuviel von heut' auf morgen!"

„Aber Herr Kandidat, Sie müssen doch auch logisch denken,

Wer wird uns am Berg zum Bach auch noch das Wasser schenken?"

„Liebe Bürger, fürs Wasser wird das Geld wohl nicht genügen,

Wegen euch darf man die ändern Steuerzahler nicht betrügen,

Dcr liebe Gott wird den Bau von Bach und Brücke segnen -

Vielleicht läßt er dafür 40 Tage lang Wasser regnen."

Das ist eine Story von der Propaganda vor der Wahl,

So geschieht es in der Politik zum x-ten Mal.

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