EGOISMUS ALTRUISTISCH BETRACHTET

 

Freund - bei zugeknöpften Taschen Kommt nichts heraus und nichts hinein,

So wirst du selber nichts erhäschen Und stets ein armer Teufel sein.

Nur das Nehmen und das Geben  Erhält den Kreislauf dieser Welt,

Andernfalls das Erdenleben Mit der Zeit in Trümmer fällt.

Geiz und Neid, das sind zwei Brüder, Doch die sind einander feind -

Der eine lacht vor Freud' darüber,

Wenn aus Not der and're weint.

 

ENGE SCHUHE, WEITE WELT

 

Willst du einmal die weite Welt beseh'n,

Sollst du nicht mit engen Schuhen und Hühneraugen geh'n;

Die Schmerzen werden größer, die Schuhe immer enger,

Die Welt wird immer weiter - die Kilometer länger;

Wenn du vor lauter Schmerz und Durst wirst schmachten,

Vergeht die Lust, Naturschönheiten zu betrachten;

Bald wirst du irgendwo in einem Gasthaus sitzen,

Mit Promille wird die Naturbetrachtung nichts mehr nützen;

Vergessen werden auch die Hühneraugenschmerzen,

Die Schuhe scheinbar auch wieder größer werden;

Du hast die schöne weite Welt im Gasthaus drinn geseh'n

Und wirst dann lustig und heiter wieder nachhause geh'n;

Fragt dich jemand: „Wo bist du denn gewesen?",

So sag' ihm: „Wegweiser hab' ich keine gelesen!"

 

SILVESTERGEDANKEN ZUR ZEITENWENDE

 

Der Mittwoch teilt die Woche nur, Die Jahre teilt die Weltenuhr;

Es wird geteilt die Erdenzeit -Und wann teilt sich die Ewigkeit?

Die Silvesternacht teilt Jahr vom Jahr

Teilt zwischen Werden und dem War;

Die Weltenuhr schon längst bestand,

Den Silvestertag der Mensch erfand. Eine Frage hat mich interessiert -

Wie sowas eigentlich passiert,

Daß man im Jahr 1996 zu Bette geht Und 1997 erst wieder aufersteht;

Es scheint als ob ich in meinem Bett

Ein ganzes Jahr verschlafen hätt' -

Doch da fällt mir plötzlich ein:

Das kann nur Jahresend' und Jahresanfang sein!

Es ist von Gott so eingeteilt,

Daß man gewisse Zeit auf Erden weilt,

Die Hebamme sorgt für das Geburtstagsfest

Und der Totengräber besorgt den Rest.

Wer 80 Jahre lebt - das ist schon viel,

Wer kennt schon seines Lebens Ziel?

Vielleicht ist man froh, daß man bald stirbt,

Wenn das Schicksal uns das Glück verdirbt.

Ein „Neues Jahr" kommt langsam her, Als Gegenwart, da eilt es sehr,

Als Vergangenes kehrt es nie zurück -Wie ein entflohener Augenblick.

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