MARTERLSPRUCH BEI GROSSMURBISCH

 

 

Es spielten drei frohe Kinder                     'Weint nicht mehr um die Kleinen,

Hier einst im wonnigen Mai,               Ihre Herzen sind wohl tot,

Doch eine tückische Mine              Doch ihre Kinderseelen

Riß ihr Leben entzwei.                   Bitten für euch bei Gott.

 

 

ZUM MUTTERTAG

 

Es schreiben die Dichter vom wonnigen Mai,

Von Blumen, von Liebe und ewiger Treu',

Doch was ich dabei am schönsten find' t

Ist von der Liebe der Mutter zu ihrem Kind.

Denn Mutterliebe, die ist groß,

 Mutter sein ein schweres Los,

 Doch hat es Gott wohl so gewollt,

Daß das Menschengeschlecht nicht verderben sollt.

Drum ist die Mutter auf der Welt Wichtiger als der größte Held

Und wer seine Mutter nicht schätzt und ehrt,

Ist nicht einmal einen Groschen wert.

Ein Tag im Jahr genügt wohl nicht, Mit Geschenken und Gedicht;

 Für Mutterliebe, rein und wahr, Sei Muttertag das ganze Jahr!

Der Muttertag - ein schöner Brauch -, Doch Worte allein sind Schall und Rauch,

Für Mutterliebe sei die gute Tat, Die man als Dank zu vollbringen hat!

Ach Mutterliebe, sie ist vergebens Im Laufe eines Erdenlebens

Solange der Krieg ihre Kinder frißt Und auf der Welt kein Friede ist.

Tausendfache Mutter ist auch die Natur Für Tiere und Pflanzen in weiter Flur -

Ein Beweis für Gottes Schöpfungskraft, Die da wirkt durch Mutterschaft.

Was durch Zerstörung zugrunde geht Und durch Mutterschaft neu entsteht,

Die Mutterliebe wird's beschützen Und so der Schöpfung Gottes nützen!

 

 

EIN WANDERER  AUF DER STRASSE NACH NIRGENDWO

 

Auf der Straße nach Nirgendwo Gehe ich irgendwo Und suche ein Zuhaus.

Auf der Straße nach Nirgendwo

Stehe ich irgendwo

Und weiß nicht ein noch aus. Auf der Straße nach Nirgendwo

Bin ich jetzt irgendwo Ganz einsam und allein.

Auf der Straße nach Nirgendwo

Muß doch auch irgendwo

Ein Ort der Ruhe sein. Auf der Straße nach Nirgendwo

Find' ich vielleicht irgendwo Doch einen stillen Ort,

So daß ich dann „Irgendwo"

Und nicht in „Nirgendwo"

Einst Ruhe finde dort.

 

EMANZIPATION

 

Ich suchte eine Frau fürs Leben Und glaubte, daß ich eine fand,

Frauen tut's wohl viele geben -Für Sex, nicht für des Lebens Band.

So vergingen all die Jahre, Nun bin ich alt und ganz allein,

Grau und schütter sind die Haare -Und traurig ist das Einsamsein.

Man lernt heut' einen Partner kennen Und kein „Weib so lieb und traut",

Die Geliebte tut man „Freundin" nennen Und nicht mehr „meine Braut".^

„Sex" sagt man zum Liebesleben, Scheidung das ist „in", Viele Frauen muß man kennen,

 Das ist moderner Lebenssinn.

Die moderne Frau - nicht mehr entrechtet Macht's genau so wie der Mann,

Sie liebt - durch keine Moral geknechtet -, Wen sie will - weil sie das darf und kann.

Das Wort „treu" ist Mangelware, Das gibt's nur mehr im Wörterbuch,

Das Liebesglück vergang'ner Jahre Wird heut' - sehr oft - zum Fluch.

 

 

FOLGENSCHWERE GEBURT

 

Ich wurde als „Niemand" geboren,

Das heißt, ich wurde gemacht,

Mir wurde ein Name erkoren,

Dann ward ich zur Kirche gebracht;

Dort wurde ich durch die Taufe Zu einem „Jemand" erklärt,

Der in seines Lebens Laufe Auch auf einen Namen hört.

Das war „Neunzehnhundertsechzehn", In der „Ersten Weltkriegszeit";

Als der Kaiser von mir erfahren, Hat das Leben ihn nicht mehr gefreut.

Ich wurde geboren im September,

Hinein in Elend und Not,

Franz Josef erfuhr das im November,

Und bald darauf war er tot. Nur weil ich arm war geboren

 Hab ich niemandem Freude gemacht, Doch weil der Kaiser ist gestorben,

 Hat mancher geweint - oder gelacht.

Wenn ich mein Schicksal so bedenke,

Es hilft doch keine Grübelei,

Und mich über mein Elend kränke -

In hundert Jahren ist alles vorbei - Gott sei Dank!

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